Geförderte Projekte im Forschungsprogramm der Deutschen Gesellschaft für ME/CFS

Die Forschung an der Erkrankung Myalgische Enzephalomyelitis / Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS) voranzutreiben, ist eines der Hauptziele der Deutschen Gesellschaft für ME/CFS. Seit 2022 werden daher thematisch breit gestreute Pilotstudien im Bereich der Grundlagen-, Biomarker-, Therapie- und Versorgungsforschung mit jeweils bis zu 25.000 Euro finanziert. Informationen zu bisher geförderten Projekten finden Sie hier.

Projekte 2026

Ziel des Projekts ist die Etablierung von 3-Tesla-Magnetresonanzspektroskopie (MRS) für die ME/CFS- und PAIS-Diagnostik zur Erfassung neurochemischer Veränderungen im Gehirn. Bei ME/CFS- und Long-COVID-Patient*innen konnten Änderungen bestimmter Metabolite im Hirn mittels besonders sensibler 7-Tesla-MRT-Geräte bereits nachgewiesen werden. Diese deuten z. B. auf Entzündungsprozesse, gestörte Signalweiterleitung und neuronalen Stress hin. In diesem Projekt soll gezeigt werden, dass auch mittels der schwächeren, aber breiter verfügbaren 3-Tesla-MRT-Geräte eine verlässliche Änderung der relevanten Biomarker gemessen und mit klinischen Parametern korreliert werden kann. Projektleitung: Dr. Judith Bellmann-Strobl, Experimental and Clinical Research Center (ECRC) der Charité – Universitätsmedizin Berlin und Max Delbrück Center
Ziel des Projekts ist eine umfassende Analyse von MRT-Daten, Immunprofilen und klinischer Symptomatik mittels künstlicher Intelligenz zur Erkennung potenzieller klinischer Subgruppen und Etablierung von Biomarkern. Herangezogen werden dafür Daten, die im Rahmen der Nationalen Klinischen Studiengruppe (NKSG) von 270 ME/CFS-Patient*innen und 150 gesunden Kontrollen erhoben wurden. Die Forschenden erhoffen sich, durch die gemeinsame Betrachtung der verschiedenen Datentypen neuroimmunologische Signaturen systematisch zu charakterisieren und ihre Relevanz für klinische Subgruppen zu bestimmen. Projektleitung: Prof. Dr. Carsten Finke, Charité – Universitätsmedizin Berlin
Ziel dieses Projekts ist es herauszufinden, inwieweit der Locus coeruleus (LC) im Hirnstamm in die Dysfunktion bei ME/CFS involviert ist. Der LC steuert über Noradrenalin-vermittelte Aktivierung des Gehirns die Reaktionsbereitschaft auf Umweltreize und moduliert auf diese Weise Wachheit, Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Stressreaktivität und Kreislauf-Funktionen. Seine Funktion kann über Änderungen des Pupillendurchmessers gemessen werden. Das Forschungsteam plant, Daten pupillometrischer Untersuchungen von 25 erwachsenen ME/CFS-Patient*innen und 25 gesunden Kontrollen zu erheben und miteinander zu vergleichen. Durch eine enge Anbindung an die BMFTR-finanzierte SLEEP-NEURO-PATH Studie können die Ergebnisse der Pupillometrie mit einer umfassenden Charakterisierung der Hirnfunktion, des Gehirnstoffwechsels, der Hirndurchblutung, Schlafarchitektur (PSG) und klinischen Symptomatik der Proband*innen verknüpft werden. Projektleitung: Dr. Claudia Schilling, Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Mannheim
Ziel dieser Studie ist die Identifikation objektiver bildgebender Marker einer zerebralen Minderdurchblutung bei ME/CFS. Hierzu werden bereits erhobene ASL-MRT-Daten aus zwei Kohorten der NKSG (HBOT & IAPACS) analysiert und mit der endothelialen Dysfunktion und klinischen Symptomen korreliert. Mit Daten von insgesamt 125 ME/CFS-Patient*innen und 62 Kontrollen nutzt das Projekt einen der bisher größten und methodisch einheitlich erhobenen ASL-Datensätze zu ME/CFS und bietet daher die Chance, robuste Evidenz für zerebrale Perfusionsveränderungen zu liefern und potenzielle ME/CFS-Subgruppen sowie ihre zugrundeliegenden pathophysiologischen Mechanismen besser zu charakterisieren. Projektleitung: Prof. Dr. Carsten Finke, Charité – Universitätsmedizin Berlin
Bisher gibt es keine systematischen Untersuchungen zu den Auswirkungen von Operationen und Anästhesieverfahren auf ME/CFS-erkrankte Patient*innen. Dieses Projekt untersucht den Einfluss des peri-operativen Settings und anästhesiologischer Verfahren bei ME/CFS. Ziel ist die Identifikation von Faktoren, die im Rahmen der Anästhesie oder des Krankenhausaufenthalts maßgeblichen Einfluss auf das Ergebnis der Operation bei ME/CFS-Patient*innen haben. In der nicht-interventionellen Beobachtungsstudie werden retrospektiv und prospektiv Fragebogenuntersuchungen durchgeführt, peri-operative Routinedaten erhoben und mit denen gesunder Kontrollen verglichen. Projektleitung: Dr. Alexander Dejaco, Universitätsklinikum Regensburg
Ziel der Studie ist die Entwicklung eines evidenzbasierten, praxisnahen Leitfadens zur belastungsbewussten Gestaltung qualitativer Forschung. Durch die direkte Befragung von 30 Betroffenen soll ermittelt werden, welche Interviewbedingungen, Kommunikationsformen und Rahmenfaktoren zu einer als verantwortungsvoll und zumutbar erlebten Studienteilnahme beitragen. Projektleitung: PD Dr. Christine Blome und Dr. Katharina Hense, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

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Projekte 2025

Ziel des Projekts ist es, die Technik der dynamischen Gefäßanalyse (engl. Dynamic Vessel Analysis (DVA)) als Standarddiagnostik für ME/CFS zu etablieren, indem die Datenauswertung verbessert und standardisiert wird. Zukünftig soll nicht nur ein einzelner Messpunkt für die Auswertung herangezogen werden, sondern die Reaktion des Blutgefäßes über den gesamten Zeitraum der Messung hinweg. So könnte nicht nur beobachtet werden, wie stark ein Blutgefäß auf einen Lichtreiz reagiert, sondern u. a. auch wie schnell es dazu in der Lage ist. Projektleitung: Prof. Dr. Frederike C. Oertel, Experimental and Clinical Research Center (ECRC) der Charité – Universitätsmedizin Berlin und Max Delbrück Center
Das Forschungsprojekt zielt darauf ab, neuroinflammatorische Prozesse bei ME/CFS im zentralen Nervensystem anhand eines humanen Zellkulturmodells zu untersuchen. Dazu sollen Neuronen, Astrozyten und Mikroglia aus humanen Stammzellen hergestellt und mit Seren von ME/CFS-Patient*innen nach SARS-CoV-2 und anderen Auslösern sowie gesunden Kontrollen inkubiert werden. So soll erforscht werden, ob Neuronen geschädigt werden und wie sich die Aktivität von Astrozyten und Mikroglia durch Faktoren im Serum der Erkrankten verändert. Projektleitung: Dr. Marlen Alisch, Experimental and Clinical Research Center (ECRC) der Charité – Universitätsmedizin Berlin und Max Delbrück Center

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Projekte 2024

Das Projekt am Leibniz-Institut für Photonische Technologien untersucht in Zusammenarbeit mit der Universität Jena die Möglichkeit, molekulare Veränderungen in peripheren Blutzellen (PBMC) mittels Raman-Spektroskopie zu identifizieren, die bei Post-Exertioneller Malaise bei ME/CFS auftreten. Im Rahmen der Studie werden die Blutproben von ME/CFS-Erkrankten mit denen von Menschen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen verglichen. Dazu werden von den ME/CFS-Erkrankten 24 Stunden vor und nach Belastung eine Vollblutprobe abgenommen und die Blutzellen mittels Raman-Spektroskopie untersucht. Projektleitung: Dr. Anuradha Ramoji, Leibniz-Institut für Photonische Technologien, Spektroskopie und Bildgebung
Das Projekt soll Medizinstudierende mittels zweier Workshops zur Destigmatisierung von Menschen mit ME/CFS bereits früh in der Sozialisation aufklären und Stigmatisierung verringern. Zentrale Elemente sind Wissensvermittlung und persönliche Begegnungen sowie ein Austausch mit Betroffenen und/oder Angehörigen. Entwickelt wird der Workshop vom Studienteam zusammen mit vier Betroffenen bzw. Angehörigen und vier Medizinstudierenden auf Basis bereits etablierter Formate von Destigmatisierungsworkshops. Ärzt*innen mit Erfahrung in der Behandlung von ME/CFS werden als Kooperationspartner*innen eingebunden. Projektleitung: PD Dr. Christine Blome, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Im Projekt soll eine bessere Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit ME/CFS durch App-basiertes Telemonitoring untersucht werden. ME/CFS-Kranke sind oft haus- oder bettgebunden. Telemonitoring ermöglicht das Sammeln wichtiger Vitalzeichen, longitudinales Symptomtracking sowie eine engmaschige ärztliche Anbindung auf Basis niederschwelliger telemedizinische Kommunikationswege zu Spezialambulanzen. Ziel ist es, eine hybride Versorgung der jungen ME/CFS-Erkrankten zu entwickeln (mit Videocalls, Wearables, digitalen Sensoren z. B. für den Blutdruck), die später in die Regelversorgung integriert werden und eventuell auf Erwachsene übertragen werden kann. Projektleitung: Dr. Jeremy Schmidt, Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin am Evangelischen Klinikum Bethel, Universität Bielefeld; Dr. Zoe Oftring, Institut für Digitale Medizin der Phillips-Universität Marburg des Universitätsklinikums Gießen/Marburg

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Projekt 2023

Das Projekt zielt auf die Identifizierung neuer Biomarker für ME/CFS aus dem Blutplasma ab. Die Forscher*innen planen, extrazelluläre Vesikel (EVs) aus dem Plasma von ME/CFS-Patient*innen sowie gesunden Proband*innen zu isolieren. Diese EVs sollen hinsichtlich ihres charakteristischen Spektrums an Kandidatenmolekülen, wie microRNAs und Proteinen, als potenzielle Biomarker für eine endotheliale Dysfunktion untersucht werden. Die Entdeckung solcher EV-Biomarker könnte nicht nur zu einer verbesserten Diagnose führen, sondern auch zu einem erweiterten Verständnis der zugrunde liegenden Störung der Gefäßfunktion und Pathophysiologie von ME/CFS beitragen. Projektleitung: Prof. Dr. Martina Seifert, Charité – Universitätsmedizin Berlin

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